Änderungsmanagement

Leidensdruck und Vision vs. Kosten und Angst

Ich war gestern auf einem interessanten Vortrag der GPM Regionalgruppe Kiel. Frau Gisela Heumann von der Firma CreArte sprach zum Thema „Professioneller Umgang mit Widerstand in Projekten“. Für die Mathematiker unter uns fand ich eine Folie besonders eindrucksvoll, wo nämlich Frau Heumann die folgende Formel präsentierte:

Ld + V + S1 > K + A

Diese Formel beantwortet die Frage, wann denn eine Veränderung durchgeführt werden sollte oder durchgeführt wird. Dabei steht Ld für den Leidensdruck, dem man ausgesetzt ist in der derzeitigen Situation. V steht für die Vision, die man entwickelt als als Zielszenario für die Veränderung und S1 bezeichnet den ersten Schritt, der zu gehen ist, um die Vision zu erreichen. Den sollte man mindestens kennen und einschätzen können.

Die Summe aus diesen Werten muss größer sein, als die beiden Einflussfaktoren auf der rechten Seite der Ungleichung. Dabei steht K für die Kosten, die die Veränderung mit sich bringt. Dabei sind nicht nur Geldmittel und Ressourcen gemeint, die man aufbringen muss, sondern auch physische und psychische Anstrengungen, die Veränderung herbeizuführen.

Der zweite Summand A steht für „Angst“. Eine Veränderung bringt immer eine gewisse Form von Angst bei den betroffenen Menschen mit sich. Diese entsteht bspw. durch Stress, Unsicherheit oder Entzug von Verantwortung. Interessant ist es dann, wenn man sich überlegt, wie man auf Angst reagieren kann. Es gibt eigentlich nur drei Reaktionen: tot stellen, Flucht oder Angriff. Und diese drei Reaktionen sind genau die, die wir bei Mitarbeitern beobachten, die Änderungen unterworfen sind.

Nun ist die Ungleichung mathematisch etwas schwer aufzulösen, lassen sich die Summanden doch kaum vergleichbar quantifizieren. Aber sie führt pragmatisch vor Augen, worauf wir achten müssen, wenn wir Veränderungen durchführen wollen.

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Thomas Schneider

Ich leite derzeit das Business Process Management (BPM) bei Raytheon Anschütz in Kiel, zuvor das Prozessmanagement im Engineering, bis 2008 in einem deutsch-japanischen Jointventure im Bosch-Konzern. Ich bin diplomierter Informatiker und begeistere mich neben den klassischen Prozessmanagement-Themen für Software-Tools und Digitalisierung.

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