Eine Reviewmethode beschreibt das Vorgehen für ein Review. Je nach Zustand und Wichtigkeit eines Arbeitsergebnisses und Intention des Reviews wird der Grad an Formalität für ein Peer Review entsprechend gewählt. Sehr formale Peer Review Methoden werden oft Inspektionen genannt, weniger formale einfach Technische Reviews bis zu den Buddy Checks („Schau mal rüber!“), ein Begriff aus dem Taucher-Jargon, wo ein Taucher Sitz und Funktion der Ausrüstung des anderen prüft, kurz bevor es in die Tiefen geht.

Das Walkthrough ist eine informale Reviewmethode, bei dem der Autor den Inhalt seines Arbeitsergebnisses in einem Meeting den anwesenden Prüfern erläutert, indem er es sukzessive vorliest. Die Prüfer haben die Chance, auf Probleme oder Unklarheiten hinzuweisen oder Verständnisfragen zu klären.

Ein Walkthrough kann somit als “Peer Group Diskussion” verstanden werden. Wie bei allen Peer Reviews hat auch das Walkthrough zum Ziel, Fehler und Verbesserungspotential im Arbeitsergebnis zu identifizieren. Im Gegensatz zu anderen Reviewmethoden hat das Walkthrough aber einen relativ großen Kommunikations- und Schulungscharakter. Es eignet sich daher besonders gut als zum Vorstellen eines Dokumentes in der Entstehung und zur Klärung eines gewählten Ansatzes. Bei weitergehender Fertigstellung können dann andere Reviewmethoden einen stärkeren Schwerpunkt auf das Finden von Fehlern legen. Ein Walkthrough allein ist keinesfalls ausreichend für die abschließende Prüfung eines Arbeitsergebnisses.

Ein Walkthrough wird also durchgeführt, um

  • einen ersten Entwurf oder Ansatz vorzustellen und Feedback einzuholen
  • gemeinsam Unstimmigkeiten aufzudecken
  • mit Kollegen Alternativen zu hinterfragen
  • das Reviewobjekt zu verbessern
  • Kollegen den Inhalt eines Reviewobjekts nahe zu bringen

Nächstes Mal schauen wir uns an, wie man so ein Walkthrough plant und durchführt. Wie ist das in Ihrer Firma? Führen Sie Walkthroughs durch?

Nachdem wir letzte Woche grob geklärt haben, was Peer Reviews denn nun eigentlich sind, will ich im folgenden Mal die wichtigsten Benefits aufzählen.

Qualität steigern

Eines der offensichtlichsten Ziele ist es, die Qualität der Arbeitsergebnisse zu steigern. Dokumente, die in einem oder mehreren Peer Reviews geprüft wurden, sind von höherer Qualität, denn identifizierte Fehler, Unstimmigkeiten und Widersprüche konnten beseitigt werden. Der Autor kann dadurch ein besseres Arbeitsergebnis abliefern, das er ohne die Mithilfe seiner Kollegen (Peers) nicht in derselben Qualität hätte erzeugen können.

Nacharbeit reduzieren

Das Projekthandbuch, Anforderungen, Test-Spezifikationen, Design-Dokumente, Zeichnungen und alle anderen Arbeitsergebnisse, die im Projekt entstehen, enthalten Fehler und Unstimmigkeiten, ihnen fehlen Informationen, sie bergen Missverständnisse beim Lesen oder widersprechen schlicht den gültigen Standards und Eltern-Dokumenten. Das ist normal und unumgänglich.

Entscheidend ist, wann diese Unzulänglichkeiten entdeckt werden. Die Kosten für Nacharbeit steigen exponentiell zur Projektdauer. Eine missverständliche Anforderung lässt sich zu Beginn des Projektes noch leicht neu formulieren. Wenn aber erst ein Design und Source Code entstanden ist und erst bei einer Demonstration des fertigen Produktes beim Kunden herauskommt, dass etwas Falsches entwickelt wurde, sind die Kosten immens.

Frühe Fehlererkennung kann sogar den Zeitplan eines Projektes verkürzen, wie Studien belegen. Daher ist es wichtig, rechtzeitig Peer Reviews durchzuführen, um Nacharbeit (Rework) so gering wie möglich zu halten.

Wissen weitergeben

Viele sehen Knowledge-Transfer als einen der Hauptvorteile von Peer Reviews. Oft entwickelt nur ein einzelner Mitarbeiter an einem bestimmten Arbeitsergebnis. Der Ausfall dieses Mitarbeiters kann ein hohes Risiko für das Projekt darstellen. Durch Peer Reviews können Kollegen mit in die Details eingebunden werden, da sie sich als Prüfer intensiv mit dem Arbeitsergebnis beschäftigen. Auch zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter können Peer Reviews beitragen.

Teamarbeit fördern

Die Einbindung von Kollegen (Peers) zur Durchsicht eines Dokumentes fördert die Arbeit im Team. Ein Mitarbeiter, der an Peer Reviews als Prüfer mitwirkt, erhält ein umfassenderes Verständnis des Gesamtproduktes und kann die Kenntnisse für seine eigenen Arbeitsergebnisse verwenden. Ein Autor, der sein Arbeitsergebnis einem oder mehreren Peer Reviews unterzogen hat, kann sich mit den Prüfern über fachliche Inhalte austauschen, aktuelle Probleme diskutieren und so sein Arbeitsergebnis schneller und qualitativ hochwertiger fertig stellen.

Bevor wir uns näher mit Peer Reviews beschäftigen wollen, sollten wir mal klären, was denn ein Peer Review überhaupt ist. Das Wort Peer ist entscheidend, denn es geht darum, dass ich als Autor mein Dokument oder allgemein mein Arbeitsergebnis durch gleichgestellte Kollegen prüfen lasse. Die Peer Reviews unterscheiden sich dadurch wesentlich vom einem Management Review wie bspw. ein Meilenstein Review am Ende einer Projektphase, wo der Projektleiter das höher-gestellte Management davon überzeugen will, dass sein Projekt mit der nächsten Phase weitermachen kann.

Der Begriff Review lässt sich im Deutschen vielleicht mit Durchsicht übersetzen, aber Review ist so geläufig, dass es eine Übertragung ins Deutsche hier fehl am Platz ist. Diese Kollegen sehen sich also mein Arbeitsergebnis an und weisen mich idealerweise auf Fehler, Unstimmigkeiten, fehlende Informationen, Zweideutigkeiten oder Missverständliches hin. Dabei kann der Grad der Formalität sehr unterscheidlich sein und so definieren sich viele Firmen unterschiedliche Peer Review Methoden – doch dazu ein ander Mal mehr.

Damit ich als Prüfer (als Reviewer) entscheiden kann, was richtig oder falsch ist, brauche ich eine Referenz. Eine solche Referenz kann den Prüfern  in Form eine Review-Checkliste zu einem bestimmten Arbeitsergebnis-Typ vorliegen. Jedes Arbeitsergebnis sollte außerdem ein High-Level-Dokument haben, von dem es abgeleitet ist. So ist bspw. eine Design-Spezifikation von den Anforderungen abgeleitet und kann dagegen geprüft werden.

Zusammenfassend können wir uns also folgende Definition basteln:

Ein Peer Review ist ein Prozess zur Verifikation eines Arbeitsergebnisses in einem bestimmten Zustand, bei dem kleine Teams gleichgestellter Experten durch manuelle Durchsicht Unzulänglichkeiten im Arbeitsergebnis aufdecken zur Sicherstellung von Korrektheit und Konformität zu Standards, Spezifikationen und Anforderungen.

Ich denke, mit dieser Definition können wir erstmal leben. Kommentare und Verbesserungen sind natürlich erwünscht. Nächste Woche schauen wir uns dann an, was Peer Reviews eigentlich bringen.