Nachdem wir letzte Woche Sinn und Zweck eines Walkthroughs angesprochen haben, wollen wir nun sehen, wie so ein Walkthrough durchgeführt werden könnte.

Der Autor wählt typischerweise Prüfer aus, die über ein zum Reviewobjekt entsprechendes Fachwissen verfügen und an der Verbesserung des Arbeitsergebnisses interessiert sind. Das Walkthrough erfordert in der Regel keine Vorbereitung der Prüfer, so dass der Autor ohne größere Vorlaufzeit zum Walkthrough Meeting einladen kann.

Zeitverschreibung

Falls Zeitverschreibung auf Projekte und Vorgänge in Ihrer Firma eine Rolle spielt, sollte der Autor schon in der Einladung angeben, worauf die geladenen Prüfer den Aufwand verbuchen können.

Da die Durchführung eines Walkthroughs in der Regel keine Vorbereitung der Prüfer bedarf, werden Walkthroughs meist nicht explizit vom Projektleiter im Projektplan eingeplant; alle Teilnehmer verbuchen auf einen allgemeinen Vorgang, den der Projektleiter für informale Reviews vorgesehen hat.

Teilnehmer

Die Anzahl der Prüfer hängt vom beabsichtigten Zweck des Walkthroughs ab. Möchte sich der Autor eher seine Herangehensweise absichern lassen, sind neben ihm in der Regel drei weitere Prüfer genug. Möchte der Autor jedoch vor allem das Verständnis seines Arbeitsergebnisses bei seinen Kollegen erhöhen, ist die Teilnehmerzahl im Grunde nur davon begrenzt, inwiefern die Informationen noch effektiv kommuniziert werden können. Es sollten jedoch nur Kollegen teilnehmen, die einen Benefit aus dem Walkthrough für Ihre Arbeit ziehen.

Die Prüfer brauchen kein spezielles Training, um an Walkthroughs teilzunehmen, müssen aber über entsprechendes Fachwissen zum Reviewobjekt verfügen. Idealerweise nehmen Prüfer teil, die das zu betrachtende Arbeitsergebnis aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Wie viele Teilnehmer haben Sie in der Regel in einem Walkthrough sitzen?

Eine Reviewmethode beschreibt das Vorgehen für ein Review. Je nach Zustand und Wichtigkeit eines Arbeitsergebnisses und Intention des Reviews wird der Grad an Formalität für ein Peer Review entsprechend gewählt. Sehr formale Peer Review Methoden werden oft Inspektionen genannt, weniger formale einfach Technische Reviews bis zu den Buddy Checks („Schau mal rüber!“), ein Begriff aus dem Taucher-Jargon, wo ein Taucher Sitz und Funktion der Ausrüstung des anderen prüft, kurz bevor es in die Tiefen geht.

Das Walkthrough ist eine informale Reviewmethode, bei dem der Autor den Inhalt seines Arbeitsergebnisses in einem Meeting den anwesenden Prüfern erläutert, indem er es sukzessive vorliest. Die Prüfer haben die Chance, auf Probleme oder Unklarheiten hinzuweisen oder Verständnisfragen zu klären.

Ein Walkthrough kann somit als “Peer Group Diskussion” verstanden werden. Wie bei allen Peer Reviews hat auch das Walkthrough zum Ziel, Fehler und Verbesserungspotential im Arbeitsergebnis zu identifizieren. Im Gegensatz zu anderen Reviewmethoden hat das Walkthrough aber einen relativ großen Kommunikations- und Schulungscharakter. Es eignet sich daher besonders gut als zum Vorstellen eines Dokumentes in der Entstehung und zur Klärung eines gewählten Ansatzes. Bei weitergehender Fertigstellung können dann andere Reviewmethoden einen stärkeren Schwerpunkt auf das Finden von Fehlern legen. Ein Walkthrough allein ist keinesfalls ausreichend für die abschließende Prüfung eines Arbeitsergebnisses.

Ein Walkthrough wird also durchgeführt, um

  • einen ersten Entwurf oder Ansatz vorzustellen und Feedback einzuholen
  • gemeinsam Unstimmigkeiten aufzudecken
  • mit Kollegen Alternativen zu hinterfragen
  • das Reviewobjekt zu verbessern
  • Kollegen den Inhalt eines Reviewobjekts nahe zu bringen

Nächstes Mal schauen wir uns an, wie man so ein Walkthrough plant und durchführt. Wie ist das in Ihrer Firma? Führen Sie Walkthroughs durch?

Nachdem wir letzte Woche grob geklärt haben, was Peer Reviews denn nun eigentlich sind, will ich im folgenden Mal die wichtigsten Benefits aufzählen.

Qualität steigern

Eines der offensichtlichsten Ziele ist es, die Qualität der Arbeitsergebnisse zu steigern. Dokumente, die in einem oder mehreren Peer Reviews geprüft wurden, sind von höherer Qualität, denn identifizierte Fehler, Unstimmigkeiten und Widersprüche konnten beseitigt werden. Der Autor kann dadurch ein besseres Arbeitsergebnis abliefern, das er ohne die Mithilfe seiner Kollegen (Peers) nicht in derselben Qualität hätte erzeugen können.

Nacharbeit reduzieren

Das Projekthandbuch, Anforderungen, Test-Spezifikationen, Design-Dokumente, Zeichnungen und alle anderen Arbeitsergebnisse, die im Projekt entstehen, enthalten Fehler und Unstimmigkeiten, ihnen fehlen Informationen, sie bergen Missverständnisse beim Lesen oder widersprechen schlicht den gültigen Standards und Eltern-Dokumenten. Das ist normal und unumgänglich.

Entscheidend ist, wann diese Unzulänglichkeiten entdeckt werden. Die Kosten für Nacharbeit steigen exponentiell zur Projektdauer. Eine missverständliche Anforderung lässt sich zu Beginn des Projektes noch leicht neu formulieren. Wenn aber erst ein Design und Source Code entstanden ist und erst bei einer Demonstration des fertigen Produktes beim Kunden herauskommt, dass etwas Falsches entwickelt wurde, sind die Kosten immens.

Frühe Fehlererkennung kann sogar den Zeitplan eines Projektes verkürzen, wie Studien belegen. Daher ist es wichtig, rechtzeitig Peer Reviews durchzuführen, um Nacharbeit (Rework) so gering wie möglich zu halten.

Wissen weitergeben

Viele sehen Knowledge-Transfer als einen der Hauptvorteile von Peer Reviews. Oft entwickelt nur ein einzelner Mitarbeiter an einem bestimmten Arbeitsergebnis. Der Ausfall dieses Mitarbeiters kann ein hohes Risiko für das Projekt darstellen. Durch Peer Reviews können Kollegen mit in die Details eingebunden werden, da sie sich als Prüfer intensiv mit dem Arbeitsergebnis beschäftigen. Auch zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter können Peer Reviews beitragen.

Teamarbeit fördern

Die Einbindung von Kollegen (Peers) zur Durchsicht eines Dokumentes fördert die Arbeit im Team. Ein Mitarbeiter, der an Peer Reviews als Prüfer mitwirkt, erhält ein umfassenderes Verständnis des Gesamtproduktes und kann die Kenntnisse für seine eigenen Arbeitsergebnisse verwenden. Ein Autor, der sein Arbeitsergebnis einem oder mehreren Peer Reviews unterzogen hat, kann sich mit den Prüfern über fachliche Inhalte austauschen, aktuelle Probleme diskutieren und so sein Arbeitsergebnis schneller und qualitativ hochwertiger fertig stellen.