Nachdem wir in den letzten Wochen gesehen haben, was Walkthroughs sind und wie man sie plant, wollen wir heute mal diskutieren, wie so ein Walkthrough durchgeführt werden könnte. Hier also ein Vorschlag, der natürlich gerne kommentiert werden darf.

Der Autor erklärt zu Beginn des Walkthroughs, wie das Walkthrough Meeting abläuft. Es besteht in der Regel aus den folgenden zwei Abschnitten:

  • der Autor präsentiert das Reviewobjekt
  • der Autor moderiert eine Kommentarrunde

Präsentation des Reviewobjekts

Der Autor stellt sein Arbeitsergebnis den Teilnehmern vor, so dass diese den Inhalt des Reviewobjekts verstehen. Sind die Prüfer mit dem Reviewobjekt noch nicht vertraut, sollte der Autor das Arbeitsergebnis schrittweise vorstellen, ohne irgendwelchen Inhalt auszulassen. In der Regel wird der Autor sein Arbeitsergebnis sogar Wort für Wort vorlesen. Das hört sich zunächst übertrieben an, ist aber notwendig, wenn der Inhalt des Arbeitsergebnisses für die Teilnehmer gänzlich neu ist.

Wurde vorher schon mal ein Review zu dem Arbeitsergebnis durchgeführt, an dem alle anwesenden Prüfer beteiligt waren, ist es ausreichend, nur auf die geänderten Stellen einzugehen.

Die Prüfer machen sich parallel Notizen, die sie in der anschließenden Kommentarrunde anmerken.

Kommentarrunde

In der Kommentarrunde bringt jeder Prüfer seine notierten Reviewanmerkungen hervor. Der Autor notiert diese idealerweise in einem Reviewprotokoll oder macht entsprechende Anmerkungen direkt im Reviewobjekt. Die folgenden Spielregeln sind denkbar:

  • Die Gruppe einigt sich vorher auf ein Zeitlimit für die Kommentarrunde.
  • Jeder Prüfer bringt reihum jeweils eine Reviewanmerkung hervor, die unter Angabe des Prüfers im Reviewprotokoll notiert wird.
  • Prüfer können in einer Runde aussetzen (“Ich passe.”) und wieder eine Reviewanmerkung in der folgenden Runde bringen.
  • Jede Reviewanmerkung muss irgendein Defizit im Arbeitsergebnis identifizieren.
  • Es liegt im Ermessen des Autors, inwiefern er auch die Diskussion von Lösungsansätzen zulässt.
  • Jede Reviewanmerkung muss allen Teilnehmern klar sein, bevor sie im Reviewprotokoll erfasst wird.
  • Persönliche Kritik ist verboten. Reviewanmerkungen beziehen sich auf das Arbeitsergebnis, nicht auf den Autor.

Die Kommentarrunde endet, wenn alle Teilnehmer aussetzen oder das Zeitlimit erreicht ist.

Variationen

Statt der Aufteilung in Präsentation und Kommentarrunde kann sich der Autor auch dazu entschließen, sein Arbeitsergebnis abschnittsweise zu präsentieren und nach jedem Abschnitt Kommentare zuzulassen, die er als Reviewanmerkungen notiert.

Reviewanmerkungen beheben

Nach dem eigentlichen Walkthrough Meeting behebt der Autor die protokollierten Reviewanmerkungen in seinem Arbeitsergebnis. Der Autor ist Eigner des Dokuments und entscheidet selbst, welche Reviewanmerkungen er behebt und welche nicht. Eine erneute Prüfung durch die Prüfer ist nicht Bestandteil desselben Walkthroughs.

Soweit der Vorschlag der Durchführung eines Reviews. Was meinen Sie? Ist die Aufteilung in Präsentation und Kommentarrunde zu künstlich?

Nachdem wir letzte Woche Sinn und Zweck eines Walkthroughs angesprochen haben, wollen wir nun sehen, wie so ein Walkthrough durchgeführt werden könnte.

Der Autor wählt typischerweise Prüfer aus, die über ein zum Reviewobjekt entsprechendes Fachwissen verfügen und an der Verbesserung des Arbeitsergebnisses interessiert sind. Das Walkthrough erfordert in der Regel keine Vorbereitung der Prüfer, so dass der Autor ohne größere Vorlaufzeit zum Walkthrough Meeting einladen kann.

Zeitverschreibung

Falls Zeitverschreibung auf Projekte und Vorgänge in Ihrer Firma eine Rolle spielt, sollte der Autor schon in der Einladung angeben, worauf die geladenen Prüfer den Aufwand verbuchen können.

Da die Durchführung eines Walkthroughs in der Regel keine Vorbereitung der Prüfer bedarf, werden Walkthroughs meist nicht explizit vom Projektleiter im Projektplan eingeplant; alle Teilnehmer verbuchen auf einen allgemeinen Vorgang, den der Projektleiter für informale Reviews vorgesehen hat.

Teilnehmer

Die Anzahl der Prüfer hängt vom beabsichtigten Zweck des Walkthroughs ab. Möchte sich der Autor eher seine Herangehensweise absichern lassen, sind neben ihm in der Regel drei weitere Prüfer genug. Möchte der Autor jedoch vor allem das Verständnis seines Arbeitsergebnisses bei seinen Kollegen erhöhen, ist die Teilnehmerzahl im Grunde nur davon begrenzt, inwiefern die Informationen noch effektiv kommuniziert werden können. Es sollten jedoch nur Kollegen teilnehmen, die einen Benefit aus dem Walkthrough für Ihre Arbeit ziehen.

Die Prüfer brauchen kein spezielles Training, um an Walkthroughs teilzunehmen, müssen aber über entsprechendes Fachwissen zum Reviewobjekt verfügen. Idealerweise nehmen Prüfer teil, die das zu betrachtende Arbeitsergebnis aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Wie viele Teilnehmer haben Sie in der Regel in einem Walkthrough sitzen?

Eine Reviewmethode beschreibt das Vorgehen für ein Review. Je nach Zustand und Wichtigkeit eines Arbeitsergebnisses und Intention des Reviews wird der Grad an Formalität für ein Peer Review entsprechend gewählt. Sehr formale Peer Review Methoden werden oft Inspektionen genannt, weniger formale einfach Technische Reviews bis zu den Buddy Checks („Schau mal rüber!“), ein Begriff aus dem Taucher-Jargon, wo ein Taucher Sitz und Funktion der Ausrüstung des anderen prüft, kurz bevor es in die Tiefen geht.

Das Walkthrough ist eine informale Reviewmethode, bei dem der Autor den Inhalt seines Arbeitsergebnisses in einem Meeting den anwesenden Prüfern erläutert, indem er es sukzessive vorliest. Die Prüfer haben die Chance, auf Probleme oder Unklarheiten hinzuweisen oder Verständnisfragen zu klären.

Ein Walkthrough kann somit als “Peer Group Diskussion” verstanden werden. Wie bei allen Peer Reviews hat auch das Walkthrough zum Ziel, Fehler und Verbesserungspotential im Arbeitsergebnis zu identifizieren. Im Gegensatz zu anderen Reviewmethoden hat das Walkthrough aber einen relativ großen Kommunikations- und Schulungscharakter. Es eignet sich daher besonders gut als zum Vorstellen eines Dokumentes in der Entstehung und zur Klärung eines gewählten Ansatzes. Bei weitergehender Fertigstellung können dann andere Reviewmethoden einen stärkeren Schwerpunkt auf das Finden von Fehlern legen. Ein Walkthrough allein ist keinesfalls ausreichend für die abschließende Prüfung eines Arbeitsergebnisses.

Ein Walkthrough wird also durchgeführt, um

  • einen ersten Entwurf oder Ansatz vorzustellen und Feedback einzuholen
  • gemeinsam Unstimmigkeiten aufzudecken
  • mit Kollegen Alternativen zu hinterfragen
  • das Reviewobjekt zu verbessern
  • Kollegen den Inhalt eines Reviewobjekts nahe zu bringen

Nächstes Mal schauen wir uns an, wie man so ein Walkthrough plant und durchführt. Wie ist das in Ihrer Firma? Führen Sie Walkthroughs durch?