Ich bin nun Certified ScrumMaster und wollte mal kurz berichten, wie man da hinkommt. Der Weg ist kurz und simple: man buche ein zwei-tägiges Seminar und beantworte dann 34 Fragen auf der Scrum Alliance Website.

1. Grundkenntnisse aneignen

Zuvor empfiehlt es sich, sich zumindest einige Grundkenntnisse über SCRUM anzueignen. Inhaltlich steckt ja nicht wirklich viel dahinter. Man sollte also schon mal gehört haben, welche Rollen es gibt, was Sinn und Zweck der typischen SCRUM-Meetings ist und welche Grundphilosophie dahinter steht. Das Lesen des Wikipedia-Eintrages reicht aber eigentlich schon. Die Scrum Alliance empfiehlt grundlegende Lektüre (in englisch) auf Ihrer Website. Auf deutsch kann ich das Buch von Roman Pichler empfehlen.

2. Kurs buchen

Ich habe den Kurs bei oose besucht. In diesem Kurs wurden einige der Ideen in praktischen Übungen erfahrbar. In der Diskussion mit anderen bekommt man einen Einblick darüber, wie SCRUM in anderen Firmen eingesetzt wird. Wie bei vielen Seminaren ist der Austausch zwischen den Teilnehmern eine wesentliche Komponente.

Auch wenn man vom Titel her vermuten kann, dass im Kurs nur auf die Rolle des Scrum Masters eingegangen wird, ist der Kurs doch mehr als ein Einführungskurs in SCRUM zu verstehen. Es werden alle drei Rollen (Product Owner, Scrum Master, Team) besprochen, sowie auf alle anderen Grundbegriffe und -konzepte der Methodik eingegangen.

3. Online-Fragen beantworten

Der Kurs selbst beinhaltet keinen abschließenden Test, wie man hätte vermuten können. Der Trainer registriert jeden Teilnehmer nach der Kursteilnahme bei der Scrum Alliance, von der man seine Login-Daten erhält. Man erwirbt automatisch eine zwei-jährige Mitgliedschaft. Nach erfolgreichem Login akzeptiert man zunächst das Certified ScrumMaster Agreement und beantwortet daraufhin 34 Fragen. Nach dem ersten Login hat man 90 Tage Zeit für den Test. Die Fragen sind aber mehr zur Selbstüberprüfung gedacht; man besteht schon ab 0%. Wenn man nicht durchgehend geschlafen hat im Seminar und des Englischen halbwegs mächtig ist, sind die Fragen auch gut zu beantworten.

Certified ScrumMaster is a certification mark of Scrum Alliance, Inc. Any unauthorized use is strictly prohibited.

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Ich habe mir letzten Freitag einen Seminartag bei oose in Hamburg gegönnt. Das Thema des Seminars war “Agiles Business Process Management” und wurde gehalten von Andrea Grass und Christian Weiss, einem der Geschäftsführer von oose.

Nachdem wir uns zunächst vergegenwärtigt hatten, wie der typische Ablauf der Geschäftsprozessmodellierung aussieht (Analysieren – Entwerfen – Umsetzen – Messen) und wie BPM-Projekte klassifiziert werden können, wurde die agile Welt aufgegliedert in

  • Praktiken: Timeboxing, User Stories, Daily Scrum, Retrospektiven, Backlog, …
  • Vorgehen, Rahmenwerke: SCRUM, APM, Kanban, X, …
  • Prinzipien: inkrementelle Entwicklung, häufiges Feedback, Selbstorganisation, direkte Kommunikation, …
  • Werte: Menschen und Zusammenarbeit vor Prozessen und Tools (siehe Agiles Manifest)

Nach einem sehr interessanten Ausflug in die Inhalte des Buches Denkwerkzeuge der Höchstleister, kam dann ein äußerst anschauliches Spiel agiler Praktiken. Die Trainer nannten es das

Energieballspiel

Energieball-Fabrik

Energieball-Fabrik

Der Product Owner gab uns einen Eimer voll Tennisbälle und wies uns an, “Energiebälle” herzustellen, indem ein Ball von einem zum anderen Team-Mitglied geworfen wird. Dabei durfte die Weitergabe der Bälle nur durch die Luft geschehen und nicht an den linken oder rechten Nachbarn. Zudem musste der Energieball von jedem Team-Mitglied mindestens einmal berührt werden und am Ende wieder am Ausgangspunkt ankommen.

Für jeden Energieball im Zieleimer gab es einen Punkt, für jeden Ball, der nach Zeitende noch “im System” war, gab es einen Minuspunkt. Vor dem Spiel sollten wir eine Schätzung abgeben, wieviele Punkte wir in einem 2-minütigen Sprint erzielen würden. Nach jedem Sprint hatten wir zwei Minuten Zeit für eine Retrospektive und erneute Schätzung.

Zwischen den Sprints verunsicherte uns der Product Owner verbal und beim letzten Sprint störte er gar aktiv das Geschehen durch Herausnahme eines Team-Mitglieds.

Die Erkenntnisse aus diesem Spiel waren sehr anschaulich:

  • Die Retrospektive hat maßgeblich an der Steigerung der Leistung und an der Verbesserung der Schätzungen beigetragen.
  • Eingriffe und Verunsicherungen des Product Owners erforderten neue Ausrichtung des Teams und störten somit die Effizienz. Die Rolle des Scrum Masters, der die Aufgabe hat, das Team vor äußeren Einflüssen zu schützen, war nicht besetzt.
  • Alle Mitspieler hatten eine gemeinsame Verantwortung am Ergebnis (selbstorganisierendes Team).
  • Jedes System hat eine natürliche Produktivität (Velocity), die nur durch größere Änderungen gesteigert werden kann.

Fazit

Die nachfolgenden Diskussionen und Übungen zielten darauf ab, bestimmte agile Praktiken (User Stories, Features, Test First, Test-Automatisierung, Continuous Integration usw.) auf die BPM-Welt zu übertragen. Dies war nicht immer einfach und man erkannte, dass es für einige Praktiken durchaus möglich ist, sie in bestimmten BPM-Projekten anzuwenden, man sich bei anderen aber noch mehr Gedanken machen muss, wie eine Übertragung praktisch aussehen kann.

 

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