Software Quality Systems (SQS), nach eigenen Angaben größter unabhängiger Anbieter von Software-Test- und Qualitätsmanagement-Dienstleistungen, bietet neuerdings ein fünftägiges Seminar mit Zertifikat zum Software Process Improvement (SPI) Manager. Interessant dabei ist, dass der Trainingsinhalt auf den Grundsätzen des SPI Manifests basiert (siehe Artikel SPI Manifest).

Auf der Website der SQS-Gruppe heißt es: Trainingsinhalt ist u.a. das SPI Manifesto, der Einsatz von Prozessmodellen (CMMI®, ITIL, Test SPICE etc.), der Einsatz von Lebenszyklusmodellen (V-Modell®, RuP, Agile Vorgehensweisen u.a.), der Einsatz von Beschreibungsmodellen (BPMN, EPK, Swimlane etc.), die Management-Anforderungen an Prozesse, Kultur und Motivation bei der Umsetzung von Veränderungen, Effektiver Rollout von Prozessen, Planung und Umsetzung von Prozessverbesserungsvorhaben.

Das ECQA-Projekt definiert Kriterien und Richtlinien für die Definition von Zertifikaten im europäischen Raum. Insofern ist davon auszugehen, dass das Zertifikat qualitativ einem festgelegten Standard folgt; die Richtlinien stehen auf der ECQA-Website zum Download zur Verfügung.

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Ich war gestern auf einem interessanten Vortrag der GPM Regionalgruppe Kiel. Frau Gisela Heumann von der Firma CreArte sprach zum Thema “Professioneller Umgang mit Widerstand in Projekten”. Für die Mathematiker unter uns fand ich eine Folie besonders eindrucksvoll, wo nämlich Frau Heumann die folgende Formel präsentierte:

Ld + V + S1 > K + A

Diese Formel beantwortet die Frage, wann denn eine Veränderung durchgeführt werden sollte oder durchgeführt wird. Dabei steht Ld für den Leidensdruck, dem man ausgesetzt ist in der derzeitigen Situation. V steht für die Vision, die man entwickelt als als Zielszenario für die Veränderung und S1 bezeichnet den ersten Schritt, der zu gehen ist, um die Vision zu erreichen. Den sollte man mindestens kennen und einschätzen können.

Die Summe aus diesen Werten muss größer sein, als die beiden Einflussfaktoren auf der rechten Seite der Ungleichung. Dabei steht K für die Kosten, die die Veränderung mit sich bringt. Dabei sind nicht nur Geldmittel und Ressourcen gemeint, die man aufbringen muss, sondern auch physische und psychische Anstrengungen, die Veränderung herbeizuführen.

Der zweite Summand A steht für “Angst”. Eine Veränderung bringt immer eine gewisse Form von Angst bei den betroffenen Menschen mit sich. Diese entsteht bspw. durch Stress, Unsicherheit oder Entzug von Verantwortung. Interessant ist es dann, wenn man sich überlegt, wie man auf Angst reagieren kann. Es gibt eigentlich nur drei Reaktionen: tot stellen, Flucht oder Angriff. Und diese drei Reaktionen sind genau die, die wir bei Mitarbeitern beobachten, die Änderungen unterworfen sind.

Nun ist die Ungleichung mathematisch etwas schwer aufzulösen, lassen sich die Summanden doch kaum vergleichbar quantifizieren. Aber sie führt pragmatisch vor Augen, worauf wir achten müssen, wenn wir Veränderungen durchführen wollen.

Wie stehen Sie zur Krise? Hat Sie sie voll erwischt? Machen Sie schon Kurzarbeit oder bangen Sie gar um Ihren Arbeitsplatz? Die Zeiten sind hart, aber wie wirkt sich das auf die Prozessverbesserungs-Aktivitäten aus? Da könnte man doch meinen, wo nun die Aufträge schwinden, hat man genügend Ressourcen zur Verfügung, um endlich mal die Dinge zu verbessern, die in der Vergangenheit so oft so schief liefen. Und doch denkt man gerade in schlechten Zeiten nicht unbedingt zuerst an Prozesse, denn mit denen verdient man ja schließlich kein Geld. Oder doch?

Ich denke, es macht gerade in solchen Zeit Sinn, Verbesserungs-Initiativen zu starten. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Wie eingangs erwähnt, sind Mitarbeiter evtl. eher verfügbar, wenn die Auftragslage schlecht ist. Jetzt hat kann man den einen oder anderen fähigen Mitarbeiter dazu bewegen, an Prozessverbesserung mitzuarbeiten, den man sonst nie bekommen hätte, da er sowieso schon total überlastet war.
  • Die Motivation der Mitarbeiter kann man dahin lenken, dass sie nun am ehesten einsehen, dass sich etwas ändern muss, um aus der Krise heraus zu kommen. Sie einzubeziehen zeigt ihnen, dass sie wichtig sind und man sie halten will. Gemeinsam gestärkt aus der Krise könnte das Motto lauten, dem alle folgen.
  • Auch das obere Management weiß, dass es etwas tun muss, und Prozessverbesserung könnte da einen wichtigen Teil der Strategie ausmachen. Überzeugungsarbeit leistet man hier am besten mit Zahlen.

Natürlich gilt auch in Krisenzeiten alles, was sonst gilt, um Veränderung herbeizuführen, etwa: Probleme von den Akteuren selbst identifizieren lassen, alles in kleinen Schritten umsetzen, aber den Blick auf das große Ganze lenken und jede Änderung pilotieren, schulen und strukturiert ausrollen.

Wie läuft’s bei Ihnen? Werden die Prozessverbesserungs-Aktivitäten in schlechten Zeiten eher hoch- oder runtergefahren?