Die letzten drei Tage habe ich in München einen Vorbereitungskurs zum Certified Professional for Requirements Engineering – Advanced Level – Requirements Modeling absolviert, so wohl der vollständige Titel.

Angeboten wurde der Kurs von Sophist, wohl mit die bekanntesten Consultants für Requirements Engineering in Deutschland. Die SOPHISTen, wie sie sich nennen, sitzen in Nürnberg und so dachte ich als Norddeutscher auch das ein oder andere Mal, Michael Mittermeier spricht nun über UML-Modellierung. Ouha, jetzt bekomme ich von den Franken. Ich mag den Akzent.

Das Zertifikat

Zum Foundation Level (FL) des CPRE hatte ich letztes Jahr schon einiges geschrieben. Inzwischen habe ich den Kurs bereits selbst unterrichtet. Wenn man den Foundation Level in der Tasche hat, darf man sich an den Advanced Level (AL) wagen. Davon gibt es derzeit zwei:

  • CPRE AL Elicitation and Consolidation
  • CPRE AL Requirements Modeling

Zwei weitere Advanced Level Zertifikate sind in Vorbereitung:

  • CPRE AL Business Analysis
  • CPRE AL Requirements Management

Irgendwann soll es wohl auch mal einen Expert Level geben, aber da ist meines Wissen noch keiner wirklich am ausarbeiten eines Lehrplans.

Der Inhalt

Ich habe mich nun erstmal an die Modellierung gewagt, da ich dort ohnehin gerade viel mit SysML unterwegs bin. Inhaltlich vertieft der Level nochmal das Kapitel 6 aus dem Foundation Level „Anforderungen modellbasiert dokumentieren“. Es geht also um die Modellierung von Anforderungen mit der UML 2.

Das Buch zur Vorbereitung auf die Prüfung heißt UML 2 glasklar und kann ich sehr empfehlen. Die aktuelle Ausgabe bezieht sich auf die derzeit gültige UML-Version 2.4. Besonders nett für Zertifikats-Anwärter: im Buch sind die Lehrinhalte für das AL Requirements Modeling Zertifkat besonders gekennzeichnet.

Mit den folgenden Diagrammen muss man sich für die Prüfung auskennen:

  • Use-Case-Diagramme zur Erfassung der funktionalen Anforderungen
  • Aktivitätsdiagramme für die Ablaufmodellierung von Use Cases (Funktionsmodellierung)
  • Klassendiagramme für die Modellierung von Fachbegriffen (Informationsmodellierung)
  • Zustandsdiagramme für die zustandsorientierte Modellierung (Verhaltensmodellierung)
  • Sequenzdiagramme für die Modellierung von Szenarien (Szenarienmodellierung)
Das Kommunikations- und das Interaktionsübersichtsdiagramm werden nochmal kurz erwähnt; sowas wie Paket- Objekt-, Kompositionsstruktur-, Komponenten oder Timing-Diagramm kommen nicht vor, da diese nicht bei der Analyse, sondern eher im Design gebraucht werden.

Wer sich den Vorbereitungskurs sparen will oder muss, sollte sich im erwähnten Buch durch die folgenden Kapitel kämpfen:

  1. Grundkonzepte und -elemente der UML, Abschnitte 3.1 und 3.2 (20 Seiten)
  2. Analyse mit der UML (34 Seiten)
  3. Klassendiagramm (61 Seiten)
  4. Use-Case-Diagramm (18 Seiten)
  5. Aktivitätsdiagramm (60 Seiten)
  6. Zustandsautomat, ohne Abschnitt 14.5 (53 Seiten)
  7. Sequenzdiagramm (68 Seiten)

Insofern ist man also mit etwas über 300 Seiten gut dabei.

Die Prüfung

Heute 16:00 war die Prüfung für das Zertifikat. Genauer: der erste Teil der Prüfung. Für den Advanced Level muss man nach bestandener schriftlicher Prüfung noch eine Hausarbeit anfertigen. Für diese hat man ab Bestehen der Prüfung 12 Monate Zeit, nach Anmeldung der Hausarbeit drei Monate zum Bearbeiten.

Die Modalitäten sind wie beim Foundation Level: 75 Minuten Zeit, Multiple-Choice, 60% der Punkte zum Bestehen. Aber selbst wenn man wirklich fit in den Diagrammtypen ist, kann die Prüfung doch recht tückisch sein. Der Großteil der 21 Fragen besteht darin, Aussagen über dargestellte Diagramme oder Aussagen bzgl. einer möglichen Modellierung-Erweiterung nach Korrektheit zu bewerten.

Nächste Woche sollen die Ergebnisse kommen, so die nette Dame vom TÜV-Süd. Ich werde mal berichten, ob ich bei den Gewinnern bin.

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